Mein steiniger Start ins Elternsein

Mein steiniger Start ins Elternsein

Nein, das wird jetzt tatsächlich kein fröhlicher und sanfter Bericht über den Beginn eines völlig neuen Lebens, sondern meine bittere Realität.
Schon die erste Nacht im Krankenhaus zeigte ganz eindeutig, dass mein kleines Baby ein sehr kräftiges Organ besitzt. Eigentlich dachte ich, dass ich mich wirklich gut auf mein Vorberietet hatte, auf das Mutter sein.

 

Dabei, hatte ich unendlich viel Ratgeber gelesen…

 

Schließlich hab ich endlos viele Eltern- und Babyratgeber gelesen. Da stand überall das Stillen jede Mutter instinktiv kann (stimmt gar nicht) und das Neugeborene ca. 16 Stunden über Tag verteilt schlafen würde…

 

Die Realität war nur irgendwie so völlig anders.

 

Was soll ich sagen, nichts von all dem war hier auch nur annähert so. Das Stillen entpuppte sich als eine zeitaufwändige nicht gelingen wollende Tortur. Erst Anlegen, dann abpumpen, weil mehr Milch produziert werden sollte. Dann die Milch verfüttern, was ein Witz, waren es doch nie mehr als 5 ml pro Seite, nach mind. 1/2 Stunde… Es gibt eben Brüste, die nicht zum Abpumpen gedacht sind, weiß ich jetzt! Damals natürlich nicht. Also folgte ziemlich zügig, als mein Baby nicht zunahm, das zufüttern, hui das schmerzte, weil ich noch nicht mal dazu in der Lage war, mein Kind satt zu bekommen. Ach ja und bitte immer zwei stunden nach der letzten Mahlzeit warten, oh Gott was ein Scheiß… Lieder wusste ich es einfach nicht besser.
Mein Baby ablegen war übrigens auch schier unmöglich, jeder riet mir aber dazu, den ich würde es ja sonst verwöhnen und so. Tat ich es doch mal, weil Pipi oder Duschen oder mein Arm zu sehr schmerzte, schrie sie bis ins Mark.

 

Und dieses endlose Schreien!

 

Ach ja das Schreien, das begleitet uns unentwegt. Mehrere Stunden am Tag und am Abend und in der Nacht egal was wir taten. Tragen, Auto fahren, Singen, auf dem Gymnastikball, im Kinderwagen. Manchmal funktionierte der Föhn auf dem Wickeltisch. Tragetuch oder Tragehilfe, kannte ich leider noch nicht, welch eine Erleichterung wäre das bloß gewesen. Auch von einer Schreiambulanz habe ich erst sehr viel später erfahren.
Ich verzweifelte immer mehr und jeden Tag wuchs der Zweifel, an mir als Mutter. Ich dachte ich bin unfähig, augenscheinlich eine Mutter die nicht in der Lage ist, ihr eigenes Baby zu beruhigen oder satt zu bekommen und überhaupt, ich bin sooooooo müde.
Heute glaube ich, dass ich in eine postnatale Depression gerutscht bin plus meine nicht bekannte ADHS Diagnose.
Mit 8 Monaten traute ich mich das erste Mal in einen Pekip-Kurs und es war die Hölle, die Kursleitung war toll aber es war so unfassbar schmerzhaft zu hören, das anscheinend ALLE glücklich, zufrieden, ausgeglichen waren. Die Babys schliefen schon längst durch, teilweise sogar schon im eigenen Zimmer, sie beschäftigen sich stundenlang selber zufrieden auf der Spieldecke und verachten sogar schon Zeit alleine mit ihren Großeltern. Also ganz klar, es lag definitiv an mir und meiner Unfähigkeit.
Und der Moment musste kommen, ich konnte nicht mehr, brach aber nicht zusammen, sondern meine Impulsivität, trat in voller härte hervor. Ich schrie mein Kind an, wurde gemein und unfair, konnte mich nicht mehr wirklich freuen über schöne Dinge. Ich war gereizt, genervt und erschöpft.

 

Hilfe holen, ist KEINE Schwäche, im Gegenteil.

 

In Form einer psychologischen Therapie holte ich mir schließlich Hilfe, damals hab ich mich echt überwinden müssen. Da psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft leider so mit Scham besitzt sind und sogar Stigmatisieren. Jetzt denke ich zum Glück ganz anders, ich glaube sogar jedem von uns täten ein paar Sitzungen zum Seelenheil richtig gut.
Mit der Therapie ging es mir besser, zumindest den Rucksack meiner Kindheit konnte ich um einiges erleichtern. Diese Wut und Impulsivität, wurde ich allerdings nie wieder los. Heute weiß ich warum und ich bin ihr auch dankbar, denn letztendlich war sie wahrscheinlich auch mein Motor um in dem Sumpf meiner Kindheit nicht unterzugehen.
Sie gehört also zu mir, diese Wut, nur bitte nicht in ungefilterte Form, ohne zumindest die Möglichkeit zu haben, sie zu lenken. Und genau das ist ja mein aktuelles Thema und es warten noch einige ganz spannende Post dazu.

Vielen Dank für dein Interesse
Herzliche Grüße
Anja

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