Krisenbewältigung

Krisenbewältigung

Achterbahn

 

Eine Achterbahn der Gefühle und Gedanken, die da in diesen Tagen auf mich und auch sicherlich euch, hereinbrechen. Ich sehe die schwindende Bereitschaft sich ein zweites Mal in einen erneuten Lock down zu begeben, sich erneut stark in unseren sozialen Kontakten zu beschränken. Auch mir blutete das Herz, alle Kurse sind in den Dezember verschoben, für selbstständige sind es harte Einschränkungen und jeder Einzelne kämpft sich irgendwie durch.

Ich hadere ebenfalls mit einigen Entscheidungen, hinterfrage viele Dinge. Ob es die richtigen Maßnahmen sind, ob es nicht die falschen trifft, ob es nicht jetzt schon klar ist, dass auch diesmal nicht 4 Wochen ausreichen werden. Werden die Schulen und Kindergärten bald wieder alle geschlossen? Warum dürfen Profifußballer einfach weiter spielen und Fitnessstudios müssen schließen?

Der Ruf nach allgemeiner Schulschließung wird laut… Es scheint als bilden sich zwei Lager und auch hier gibt es wahrscheinlich keine allumfassende Lösung. Es wäre allerdings eine gute Gelegenheit unser jetziges (veraltetes) Schulsystem einmal zu überdenken und vielleicht einen Neuanfang zu starten. Wie schön wäre es kleine Klassen zu bekommen, in denen dann ganz individuell auf die (Lern)Bedürfnisse unserer Kinder geschaut werden könnte? Ja, ich weiß das geht nicht so ohne weiteres, woher sollen all die Lehrkräfte plötzlich kommen. Trotzdem wäre es so ein nötiger und wichtiger Schritt, auch ohne Corona!

 

Wenn es eskaliert und alle Intensivbetten belegt sind, wer versorgt diese und bedient die Geräte? Sicherlich würde und werde ich das tun, wer aber betreut in dieser Zeit meine Kinder? Jetzt wurde in Niedersachsen erst wieder das Arbeitsschutzgesetz gekippt, das bedeutet, wenn es richtig ernst wird, müsste ich 12 Stunden arbeiten… Das eine geht nicht ohne das andere… Nicht vergessen!

Es belastet mich zeitweise sehr und mein Gedankenkarussell macht mich Schwindelig. Diese Ungewissheit macht es nicht wirklich besser. Planbar ist zurzeit wohl nix. Ich weiß das all diese Maßnahmen nervig und anstrengend sind, tatsächlich leidet auch mein Gemüt und meine Selbständigkeit darunter, gleichzeitig ist es wohl im Moment, das einzige was wir tun können.

 

Denn, was wäre die Alternative?

 

Einfach zuschauen, wie alles zusammenbricht und so tun, als gäbe es dieses Virus nicht? Auch wenn du nicht schwer an Corona erkranken wirst, könntest du dennoch andere medizinische Versorgung benötigen. Was, wenn dann keine Kapazitäten mehr vorhanden sind? Willst du das Risiko für dich, deine Familie und all die anderen Menschen eingehen?

 

Ich nicht und deshalb lasst uns das Beste aus dieser Situation machen. Sei achtsam mit dir und deiner Umwelt, lege den Focus auf die schönen Dinge. Ich bin mir sicher, da findet sich was. Vielleicht fällt es mir leichter, meinen Focus zu verschieben, weil ich diese schwerst kranken Patienten versorge und das Virus tatsächlich greifbar erscheint.

 

Bleibt gesund und findet einen Weg, euren Weg um gut durch diese Zeit zu kommen.

 

Herzliche Grüße, eure Anja

Authentisch sein…

Authentisch sein…

Authentisch sein… was genau ist das aber?
 
Lange habe ich mich damit befasst, natürlich auch beruflich, schließlich ist es auch Inhalt in meinen KinderBesserVerstehen Kursen. Trotzdem ist es nicht immer leicht, sich seines Handelns bewusst zu sein.
Warum ist das auch überhaupt so wichtig für unsere Kinder? Sollte man nicht versuchen immer lieb und nett zu sein oder ist es eine Freikarte dafür ungefiltert loszubrüllen. Klares NEIN!!!
Authentisch sein, heißt für mich nicht nur Ehrlich zu sein, sondern selber überzeugt von mir und davon was ich tue!

Hinterfrage dich!

Authentizität bedeutet auch, sei ehrlich zu dir. Was ist wichtig und wo kannst du vielleicht flexibel sein und deinem Kind entgegenkommen.
Wie oft am Tag sagst du Nein zu deinen Kindern?
Ich hab es nicht gezählt aber meine ältere Tochter, musste es schon ganz schön oft hören. Irgendwann wird es unbedeutend für sie und auch für mich, denn ich habe mich nie gefragt, warum sage ich NEIN? Versteht mich nicht falsch, dass bedeutet nicht, das es kein Nein mehr gibt. Die Frage ist aber, ist es wirklich gerade so schlimm für mich, das meine Tochter z. B. unter dem Tisch, statt am Tisch sitzen möchte? Oder stecken vielleicht sogar alte Glaubenssätze oder Floskeln, wie das macht „man“ nicht, dahinter?
Wenn ich mich und mein Nein hinterfragt habe und ich bin klar mit meinem Nein, dann ist das ok und darf so sein. Ein aus Überzeugung gewähltes Nein!
Vielleicht komme ich aber auch zu dem Schluss, dass es doch ganz witzig ist mal untern Tisch zu essen.

                     

Sei achtsam mit dir!

Authentisch sein beutetet für mich aber auch, eben mal auf meine Grenzen zu achten und nicht einfach „Ja“ zu sagen, obwohl ich „Nein“ meine. Denn dann staut sich in mir eine Unzufriedenheit und entlädt sich leider wenig wertschätzen an meinem Umfeld.
Ein kleines Beispiel: Gestern Abend schaute meine ältere Tochter nach Schuhen, zur Zeit Online, es dauerte, lange… Aber immerhin mit einem Ergebnis. Nun möchte die jüngere natürlich auch schauen, und ja, es eigentlich auch kein Problem. Nur, dauerte es noch länger und langsam wurde es wirklich spät und was für uns beide super frustrierend war, keine Schuhe gefielen ihr, KEINE… Sie wollte aber unbedingt welche. Es war vorhersehbar und ich konnte den ersten Wutanfall prima begleiten, allerdings kommt jetzt meine Schwammigkeit zum Ausdruck. Sie fragte ob sie nicht noch mal kurz schauen könnte, um doch noch ein Paar zu finden. Ich wollte nicht , ich war mittlerweile so genervt und echt frustriert, meine ehrliche Antwort wäre also ein Nein gewesen. Stattdessen kam eine leise Stimme in mein Ohr und meinte, dass sie doch aber auch Schuhe braucht und das gleiche Recht hat wie Ihre Schwester… Und somit sagte ich JA.
Nach weiteren 20 min. Bin ich dann geplatzt und war unfair und gemein. Der Abend war im Eimer, stocksauer auf mich selber, saß ich am Ende auf meinem Sofa, geplagt vom schlechten Gewissen.
Wäre ich bei meinem Nein und damit Authentisch geblieben, hätte es höchstwahrscheinlich einen erneuten Wutanfall geben aber letztendlich hätte es mich weniger Kraft gekostet, diesen zu begleiten und ich hätte unsere Integrität gewahrt.
Und ganz wichtig, was wollen wir unseren Kindern mit auf den Weg geben? Ja genau, rechtzeitig eigene Grenzen zu erkennen und zu benennen. Für sich selber einstehen. Das ist es, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe es als Kind nie gelernt und muss jetzt hart an mir arbeiten. Wie gut, wenn ihnen das erspart bleibt.
Mein Fokus liegt jetzt wieder mehr darauf und beim nächstenmal gelingt es mir wieder. Seit achtsam mit euch und euren Grenzen, hinterfragt euch und dann könnt ihr klar sein in eurem Handeln.
Vielen Dank fürs Lesen,
bis ganz bald
eure Anja
Hier kommt ihr zu
meinem letzten Blogbeitrag.
Ich habe meine Kinder nicht im Griff…

Ich habe meine Kinder nicht im Griff…

Gott sei Dank oder besser gesagt: Ruth, sei Dank, habe ich meine Kinder nicht im Griff. Denn ohne sie wäre ich wahrscheinlich nicht immer wieder ins Nachdenken gekommen und würde all die Dinge hinterfragen. Ganz stark inspiriert haben mich ebenfalls die Piepmadame und die Bücher von Jeepser Juul.  Ich verlinke sie euch alle hier drunter.

 

 

Ich gestehe, als ich das erstmal mit dieser Haltung in Berührung kam, habe ich sie alle für verrückt gehalten. Wie soll das funktionieren, so ohne Erziehung, mein Kind zu einem guten Menschen formen? Alle Kinder brauchen Erziehung, ich will doch nicht das sie zu Tyrannen werden. Dennoch hat es hat mich so fasziniert, das ich immer weiter in diese Haltung eingetaucht bin und letztendlich nichts anderes mehr für mich in Frage kommt.

 

Was ist Erziehung?

 

Ich möchte unsere Kinder nicht erziehen, denn was bedeutet Erziehung? Der Ausdruck definiert Handlungen, durch die Menschen versuchen andere Menschen, dauerhaft zu verbessern, oder seine als schlecht bewerteten Bestandteile zu unterbinden. Quelle: Wolfgang Brezinka, Erziehungswissenschaftler. Für mich bedeutet das, ich forme meine Kinder so, wie ich das möchte und für richtig empfinde. Das heißt, meine Werte gelten ebenfalls auch für meine Kinder und ich maße mir an, zu entscheiden, was an meinem Kind gut oder schlecht ist. Somit stelle ich mich schon in der Wertigkeit über mein Kind, bin ich also Prinzipiell ein “besserer“ Mensch, nur weil ich erwachsen bin? Ich finde ganz klar Nein, denn auch, unter uns Erwachsenen ist kein Mensch, mehr oder weniger wert. Die Würde eines Menschen ist unantastbar. Kinder sind Menschen! Es ist eine Haltung gegenüber anderen Lebewesen, kein Stil oder Ratgeber dem man folgen kann.

 

Aber was soll ich jetzt tun, ohne Erziehung?

 

Erstmal gehe ich also davon aus, das Kinder schon “gut” zur Welt kommen, sie müssen also nicht geformt werden. Das was sie brauchen ist Begleitung und Vorleben, ohne Druck und Gewalt. Sie müssen sich frei entfalten dürfen, ihre Persönlichkeit darf sich entwickeln ohne das ich sie einschränke und in eine Richtung drücken will. Seelische Gewalt hinterlässt übrigens genauso viel Schmerz wie körperliche. Meistens kommt jetzt der Punkt, an dem viele denken, das die Kinder sich nun selbst überlasen sind, das stimmt natürlich nicht. Sie werden begleitet und geführt, an stellen, wo es nötig ist. Natürlich setzte ich meine elterliche Macht ein, um sie davor zu bewahren, einfach auf die Straße zu laufen, schützende Macht. Verantwortung über nehmen ja, mein Kind erpressen, bedrohen und bestrafen, damit es für mich wichtige Dinge tut, Nein. Beginnt bei euch, hinterfragt eure Glaubenssätze, wo kommen sie her, sind sie überhaupt wichtig für mich?

 

Ändere nicht deine Kinder, sondern dich…

 

Übrigens bedeutet ein Weg ohne Erziehen nicht, das die Kinder sich selbst überlassen sind und alles Entscheiden. Selbstbestimmung, auch über ihren Körper aber eben sehr wohl. Und ja, sie entscheiden z. B. auch ob und wann sie Zähneputzen. Übrigens putzen sie freiwillig 2 mal täglich. Das war natürlich nicht immer so und es gab schon zwei, drei Tage, an denen sie gar nicht geputzt haben. Der Weg dahin war ganz schön anstrengend und nervenaufreibend, eben weil mir die Zahngesundheit natürlich wichtig ist aber ich sie nicht über die seelische Unversehrtheit stelle. Es kam für mich nie in Frage mein Kind festzuhalten und die Zahnbürste gewaltsam in den Mundraum einzuführen. Was suggeriere ich meinem Kind damit? Ich zwinge es zu Dingen, die es gerade nicht machen möchte, akzeptiere kein Nein, übe meine Macht aus und zwinge mein Kind sogar unter körperlicher Gewalt dazu, es trotzdem über sich ergehen zu lassen. Meist noch begleitet von Worten wie: nun stell dich nicht so an, ist doch nicht so schlimm. Möchte ich das mein Kind lernt, es wäre OK, sich gewaltvoll über diese Grenze zu begeben…? Ich denke wir alle wollen  gerade das nicht. Und was soll ich nun tun, wenn es tagelang nicht putzen möchte? Kreativ werden, 100 mal am Tag nachfragen, zu verschieden Zeit, sucht euch verschieden Orte, schon mal in der Küche geputzt? Super spannend. Selber die Zahnbürste aussuchen, gleichzeitig eure Zähne putzen lassen usw. Bringt Humor mit ein, macht ein Spiel draus, es gibt viele Möglichkeiten. Tatsächlich bestimmen sie auch darüber wie viel sie am Tablett oder TV verbringen. Zugegeben, einige Tage, an denen es für mich sehr viel war, fühlte es sich weniger guten. Dieser ausgeprägte Konsum hielt so in etwa 1 Woche an, ich vertraute weiterhin darauf das es sich regulieren wird. Und das tat es dann auch, sie schauen jetzt vielleicht 2-3 kurze Folgen einer Kinderserie.

 

Heißt das jetzt nur noch mit lieblicher Stimme zu sprechen?

 

Ganz bestimmt nicht, denn jeder der jetzt denkt, hier würde nun Friede, Freude, Eierkuchen herrschen, der täuscht sich aber gewaltig. Hier ist es laut, denn jeder darf seine Gefühle ausleben. Hier gelten Regeln, denn natürlich dürfen unsere Kinder hier NICHT machen was sie wollen. Schließlich sind wir ja eine Familie. Wir Eltern haben ebenso Bedürfnisse und Gefühle die NICHT übergangen werden. Wir opfern uns NICHT auf und erfüllen auch NICHT prompt jeden Wunsch unserer Kinder. Hier wird sogar gestritten und das nicht zu knapp. Und ganz wichtig, jedes Familienmitglied hat seine ganz eigenen persönlichen Grenzen, die sind aber einfach da, wir müssen keine künstlichen aufstellen. Es ist auch ist nicht so, das ich alles gut finde, was sie machen und das sage ich ihnen auch. Ich möchte nicht schreien oder sie abzuwerten, indem ich sie ausschimpfe. Ich möchte ihnen natürlich aufzeigen was mich stört, dabei aber gleichzeitig ihre Integrität wahren.

 

Ihr macht es euch aber einfach!

 

Diese Meinung, dass wir uns das ja entweder ganz schön leicht machen oder uns völlig selbst aufgeben, ist weit verbreitet allerdings völlig falsch. Denn dieser Weg ist alles andere als einfach. Wir erpressen nicht und sprechen auch keine Drohungen aus, das bedeutet wir müssen ständig diskutieren, doppelt so viel Zeit einplanen und Entscheidungen akzeptieren. Gefühle ernstnehmen und aushalten, nicht einfach abstellen. Und trotzdem oder gerade weil wir diesen Weg gehen, gebe ich mich niemals selbst auf. Denn unsere Haltung gilt für alle und eben auch für mich… Hier finde ich Ruths Beispiel immer wieder sehr anschaulich: Bei einem drohendem Flugzeugabsturz, muss ICH mir zuerst die Sauerstoffmaske aufsetzten, damit ich nicht bewusstlos werde und somit meinen Kindern helfen kann.Wir können nur dann liebevoll und respektvoll miteinander umgehen, wenn wir  zu uns selber genauso sind. Das hört sich jetzt alles ganz wunderbar leicht an, aber glaubt mir, ich weiß wie anstrengend dieser Weg tatsächlich ist, denn auch wenn ich das alles weiß, mache ich trotzdem 1000 Fehler am Tag. Vor allem, wenn meine Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Niemand ist Perfekt, das ist auch nicht wichtig. Wir selber dürfen uns verzeihen und uns bei unseren Kindern entschuldigen, wenn wir unfair zu ihnen sind. Du musst auch nicht alles auf einmal ändern, sondern Schritt für Schritt und auch mal drei zurück. Das ist Leben, und zwar auf Augenhöhe.

Welche Werte sind dir wichtig und was wünscht du dir für dein Kind? Hinterfrage einmal deine Glaubenssätze und Erziehungsziele. Werde dir bewusst was wichtig für deine Familie ist, nicht was anderen wichtig und richtig erscheint.

Liebe Grüße Anja

Hier kommt ihr zu meinem vorigem Beitrag und

hier sind meine Inspirationen verlinkt:

Der Kompass von Ruth

Die Piepmadame

Jesper Juul

Plötzlich im Rollstuhl

Plötzlich im Rollstuhl

Meine Geschichte

Ich weiß gar nicht, ob ich euch hier schon mal meine Geschichte erzählt habe? Also mach ich es einfach mal.
Achtung wird lang ⬇️
Im Sommer 2014, meine Tochter war genau 11 Monate alt, sind wir aufgebrochen nach Kroatien und haben dort drei wunderschöne Wochen erlebt. Mittlerweile waren es nur noch zwei Tage und wir würden abreisen. Wir besuchten also schnell noch mal eine wunderschöne Aussichtsplattform und Bähm, stand mein Mann vor mir, mit unserer Tochter in der Trage, und fragt mich, ob ich ihn heiraten wolle ❤️ OMG, Ja natürlich. Das Foto hier, entstand kur nach diesem wundervollen Moment. Hach was war das ein schöner Tag, ich wusste noch nicht das in 24 Stunden nichts mehr so sein würde, wie es mal war.
Den nächsten Tag verbrachten wir mit Freunden auf dem Boot und ließen den Abend im Restaurant ausklingen. Nachts erwachte ich mehrmals, weil mir ständig beide Beine einschliefen. Na ja kommt ja mal vor Um fünf Uhr morgens wurde es allerdings so unerträglich, dass ich aufstehen musste. Unser Zimmer war gefliest und ich barfuß. Ich sollte also eigentlich beim Aufsetzen der Füße, Kälte verspüren. Tat ich aber nicht, nichts fühlte ich außer einen Druck beim Auftreten. Puh, das war schon merkwürdig, okay ich wusste ja das ich einen Bandscheibenvorfall habe und es hat sich jetzt vielleicht verschlimmert. Ich bin zwar Fachkrankenschwester für Intensiv und Anästhesiemedizin aber Neurologe war noch nie mein Steckenpferd. Egal, um acht Uhr rief ich meine beste Freundin in Deutschland an und fragte sie um Rat. Viel Bewegung könnte gut sein damit die BS (Bandscheibe) wieder zurückflutscht. Inzwischen brauchte ich schon Schmerzmittel da ich leichte Krämpfe verspürte. Ach ja und wenn ich mein Urin nicht mehr halten könnte, dann soll ich sofort in eine Klinik, sagte sie noch.

Plötzlich konnte ich nicht mehr alleine stehen

Schwimmen bot sich ja an und somit versuchte ich es im Meer, schon nach wenigen Metern im Meer, merkte ich, das meine Beine allerdings nicht mehr das taten, was sie sollten. Mit reichlich Mühe kroch ich wieder an Land und legte mich erstmal zu meiner Tochter in die Strandmuschel. Mein Mann ließ derzeit unser Boot aus dem Wasser, bekam von meiner aufsteigenden Panik also nichts mit. Bei dem Versuch aufzustehen, konnte ich mich ohne Festhalten schon nicht mehr auf den Beinen halten. Mehr als warten ging in diesem Moment aber nicht. Sofort als mein Mann zurückkam, packten wir ein und sind hier auf der Insel in die Ambulanz gefahren. Nur am Buggy meiner Tochter gestützt, schaffte ich den Weg dort rein. Mittlerweile ist das Taubheitsgefühl bis unter der Brust angelangt. Angst machte sich breit und ihr müsst euch vorstellen das, dass hier eine kleine Insel in Kroatien ist und die Notaufnahmen nicht wie bei uns in Deutschland ausgestattet sind.
Auf Englisch musste ich nun erklären, was ich hatte und das ich immer noch denke, dass die BS dafür verantwortlich ist.

Wir fuhren nicht ins Krankenhaus

Die Ärztin riet mir in die Hauptstadt nach Rijeka aufs Festland zu fahren, für weitere Diagnostik, hier gab es noch nicht mal ein Röntgengerät. Sie gab mir eine Spritze mit Kortison und einem Schmerzmittel. Die Fahrt hätte mindestens 3 Stunden in Anspruch genommen und eigentlich wollte ich mich lieber in Deutschland behandeln lassen. Wir beschlossen also Planmäßig gleich am nächsten Morgen zurück nach Deutschland zu fahren. Ich konnte ja nicht ahnen, wie schlimm es noch werden würde.
Zurück in unserer Pension, sahen die Vermieter schon, wie schlecht es mir ging. Sie bauten mir eine Liege auf und halfen mir mit der Versorgung meiner Tochter, während mein Mann die Koffer packte. Mein Zustand verschlechterte sich stündlich, ich konnte mein rechtes Bein überhaupt nicht mehr bewegen und zudem entwickelten sich Klonische Muskelkrämpfe, die sehr schmerzhaft waren. Ich fühlte nicht wirklich, ob ich vielleicht mal zur Toilette müsste,  also musste ich regelmäßige Toilettengänge auf gut Glück absolvieren. Da ich nicht mehr alleine gehen konnte, brauchte ich auch dort Hilfe. Nur unter großer Anstrengung gelang es mir dann endlich Wasser zu lassen. Dieser Zustand hielt die Nacht über an und ich war nahe einem nervlichen Zusammenbruch. Nicht nur die Schmerzen und die Lähmung machten mir zu schaffen, sondern die blanke Panik machte sich breit. Werde ich je wieder laufen können, werde ich im Rollstuhl sitzen, wie soll ich meine Tochter versorgen, kann ich überhaupt wieder in unser Haus, mit all den Treppen. Es war schlichtweg einfach die Hölle.
Dass die Rückfahrt ebenfalls einfach nur schlimm war, muss ich euch nicht erzählen, alleine die Toilettengänge brachten mich an meine Grenzen. Zudem merkte natürlich auch meine Tochter, in welch absolut schrecklicher Verfassung ich war. Auf der Autofahrt musste ich vor Schmerzen mehrmals laut schreien und weinen, auch meine Tochter konnte nicht anders.
Endlich erreichten wir Deutschland und wir nahmen gleich die erste Abfahrt nach Bad Reichenhall. In mir kam Erleichterung hoch, meine Therapie konnte nun beginnen. 

Jetzt wird mir endlich geholfen

Das dachte ich zumindest, leider gibt es in der Klinik keine Neurologie und somit wurden wir ein paar Dörfer weiter nach Trauenstein verwiesen. Immerhin gab es Schmerzmittel und einen Rollstuhltransfer dazu.
Dort nun endlich angekommen, wurde ich in der Ambulanz untersucht, einschließlich meiner ersten Lumbalpunktion, (Liquor Entnahme aus dem Rückenmark) und ein MRT der Lendenwirbelsäule. Nicht schön aber notwendig. Da es schon weit nach 22.00 Uhr war, nahm sich mein Mann ein Pensionszimmer, denn auch meine Tochter war natürlich am Limit.

Ich wurde Stationär aufgenommen und bekam eine Infusion mit hochdosiertem Kortison verabreicht. Die Schwestern dort wollten mit mir in diesem Zustand nicht zur Toilette gehen, sondern baten mich auf die Bettpfanne. Ich versuchte mein Glück aber mir wurde schnell klar, das ich in dieser Position unmöglich konnte. Darauf hin legten sie mir einen Katheter in die Harnröhre. Die ganze Nacht über lief kein Urin ab, trotz guter Flüssigkeitsaufnahme. Mein Krankenschwester-Gehirn folgerte daraus ein akutes Nierenversagen aufgrund des Kontrastmittels beim MRT. Noch mehr Panik machte sich breit.
Nach ca. zwei Stunden Schlaf erwachte ich in meinem Zimmer und mein erster Gedanke war das Problem mit meinem Nierenversagen. Erstmal das Kopfteil hochstellen und dann sehen wir weiter. Au verdammt, das tat weh, im Bereich meiner Blase merkte ich ein starkes Druckgefühl. Scheint voll zu sein, Gott sei Dank, doch kein Versagen.
Die Schwester zog den falsch liegenden Katheter und begleitet mich zur Toilette, welch ein wunderbares Gefühl.
Wieder zurück im Bett merkete ich das ich ganz leicht meine Zehen des rechten Beins wieder bewegen konnte. Die Taubheit hielt nach wie vor an und mehr als die Zehen ging nicht, aber immer hin.
In der Visite klären wir schnell ab, das weder Blut noch die MRT Untersuchung etwas rausgefunden hätten, ja da ist ein BSV zu erkennen, allerdings könnte der niemals diese Symptome hervorrufen. Da wir nun immer noch über 700 Kilometer von zu Hause entfernt und mit Kleinkind unterwegs waren, stimmten die Ärzte zu und entließen mich.
Wir fuhren also weiter, ich Informierte meine Schwester irgendwann von Unterwegs, das sie mich, sobald wir angekommen sind, weiter ins Krankenhaus fahren sollte, damit für meinen Mann und meine Tochter diese Strapazen endlich zu Ende sind und sie sich zu Hause ins Bett legen können.
Gegen Mitternacht traffen wir dann im gewünschten Krankenhaus ein und alle Untersuchungen wurden wiederholt. Eine Woche war ich dort Stationär und es folgten etliche weitere Untersuchungen.
Ja, was hab ich nun? Alles ist unauffällig, weder im Liquor, noch im Blut oder im EEG sind Auffälligkeiten zu finden. Schließlich wurde ich noch einmal von Kopf bis Fuß ins MRT geschickt und plötzlich gab es einen Hinweis.
Im Bereich der Halswirbel 5–8 war eine Schwellung (Ödem) zu erkennen, zum Glück längs verlaufend und nicht quer. Sonst hätte sich die Lähmung, wie bei einem Querschnitt, nicht nur auf das rechte Bein beschränkt.
So weit, so gut. Ich bekam jeden Tag weiterhin hochdosiert Kortison und Krankengymnastik, trotzdem musste ich mich die ersten zwei Tage im Rollstuhl fortbewegen. Kurze strecken gelangen mir mit viel Zeit und Kraft auch allein. Eine richtige Diagnose stand noch immer nicht fest aber nach 5 Tagen sollte es so schnell wie möglich in die Reha gehen.

Der 1. Geburtstag 

Meine Gefühle fuhren in der Zeit Achterbahn, denn am Tag meiner Entlassung, feierte meine Tochter ihren 1. Geburtstag. Den stellt man sich ja dann doch irgendwie ganz anders vor, als nur mit einem kleinen gekauftem Kuchen vom Supermarkt. Es gab keine Geschenke und keinen Besuch von der Familie.
Das hätte ich einfach nicht ausgehalten. Mir ging es zwar körperlich schon etwas besser, sodass ich immerhin wieder ein paar Schritte an der Wand gestützt schaffte, aber immer noch hatte ich kein Gefühl in den Beinen oder ob ich zur Toilette musste. Noch schlimmer war die absolut schlimme psychische Belastung, die Angst, ob ich jemals wieder normal und ohne Hilfe laufen könnte. Meine Tochter wieder tragen könnte, ihr später einmal hinterherrennen könnte. Gedanken die ich nicht abstellen konnte.
Zwei Tage später begann nun meine Reha, um nicht gänzlich daran zu zerbrechen, überspielte oder verdrängte ich nun alle Gedanken über die Zukunft und verweilte einfach von Tag zu Tag im hier und jetzt. Das Kortison half wahrscheinlich ein bisschen dabei. Ich stellte mich völlig meinen jeweiligen Aufgaben und absolvierte mein Training, einfache Übungen wurden zu riesigen Herausforderungen. Irgendwie lief alles wie in einem Film an mir vorbei.

Die Diagnose steht fest

Mittlerweile wurde eine Diagnose gestellt: Transverse Myelitis (TM) nannte sich das also.
Tatsächlich gab ich mich mit den Informationen meines Arztes zufrieden und betrieb keine Recherche im Internet. Erst ca. 1 Jahr später konnte ich mich wirklich damit befassen und begreifen welch guten Heilungsprozess  ich hatte, gut 96 % meiner Körperfunktion wiedererlangt zu haben. TM ist eine sehr seltene neurologische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Da bei mir keinerlei Urasche einer Entzündung gefunden werden konnte, spricht man von einer idiopatischen TM, eine abnorme Entwicklung des Immunsystems, welche sich gegen das Rückenmark richtet. TM kommt ungefähr bei 1,3 von 1 Million Menschen vor, das finde ich nach wie vor unglaublich, also das es da gerade mich erwischt hat. Was für ein Glück ich doch gehabt habe, zum einen, weil gleiche eine Kortison Therapie erfolgte, aber auch, dass jemand überhaupt auf diese Diagnose gekommen ist.

Die Reha dauerte vier Wochen an und die Eingliederung in der Arbeit begann, ich schaffte meine Aufgaben gut und tatsächlich wurden meine Einschränkungen immer weniger. Was zurück bleibt ist ein leichtes Taubheitsgefühl an beiden Füßen und sie werden ganz schnell eiskalt. Sodass, man mich auch im Sommer mit Socken im Bett erwischen kann.
Manchmal knickt mein rechtes Bein für eine Sekunde einfach weg, fällt aber keinen groß auf, außer mir.
Darm und Harnfunktion sind wieder Normal und auch mein Gangbild ist jetzt nach 5 Jahren wieder so wie vorher. Stimmt nicht ganz, manchmal muss ich doch ab und an mal meinen rechten Fuß korrigieren, der fällt etwas nach außen. Deshalb stelle ich mein Schuhwerk auch nach und nach komplett auf Barfußschuhe umstellen. 

Eigentlich könnte man jetzt sagen, sei froh das alles wieder gut ist, oder: so schnell kann dich ja jetzt nichts mehr als der Ruhe bringen.

Aber es stellte sich nach der Zeit kein Glücksgefühl ein, im Gegenteil. Ich wurde Tag für Tag wütender und völlig ungerecht, auch zu meinen Mitmenschen. Meine Tochter hatte sich emotional ein ganzes Stück von mir entfernt. Ich hatte das Gefühl sie im Stich gelassen zu haben. Vor meiner Erkrankung durfte meist nur ich sie ins Bett bringen. Danach so gut wie gar nicht mehr, für eine lange Zeit. Es tat mir so weh, zu sehen das Papa nun ihre Bezugsperson ist, das ich dachte ich zerbreche.
Meine Seele musste sich schützen und ich begann noch wütender auf mich und mein Leben zu werden. Auch jetzt noch, beim Schreiben diese Zeilen, muss ich weinen. Ich glaube schon das es eine Depression gewesen ist, auf jeden Fall kam ich dort nicht mehr alleine raus und brauchte Hilfe.
Gott sei Dank konnte ich offen mit einer Freundin über meine Wut sprechen und sie empfahl mir eine Psychologin. Das war der erste und wichtigste Schritt.
Sie half mir einen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen, wir beließen es nicht nur bei dieser Geschichte, sondern über ein Jahr lang hat sich mich begleitet und mir geholfen auch meine Kindheit aufzuarbeiten.

Fazit

Ich würde nicht sagen das mit Ende der Therapie alles erledigt ist, im Gegenteil, es ist erst der Anfang eines langen Prozesses.
Heute bin ich tatsächlich sogar dankbar dafür, denn ohne dieses abrupte stoppen meines bisherigen Lebens, hätte diese Veränderung vielleicht niemals angefangen. 

Also gebt niemals auf, egal was kommt. Holt euch Hilfe, das muss keinem unangenehm sein. Ich glaube fast jeder Erwachsenen heutzutage, bräuchte ein wenig Unterstützung um sein Gepäck leichter zu machen.

Falls ihr noch fragen dazu habt, immer gerne und wenn es jemanden gibt der tatsächlich auch an TM erkrankt ist, dann bitte melde dich … Wohl eher sehr unwahrscheinlich bei 1,3 zu 1 Million.

Hier kommt ihr übrigens zum aller ersten Blog Eintrag.

Familie ist was du daraus machst…

Familie ist was du daraus machst…

 

 

Familie ist das was du daraus machst…

 

Es war Sonntag und es sollte mein Geburtstag gefeiert werden. Ok der war schon am Montag aber nur mit einem kleinen Teil der Familie. Der Rest sollte also heute kommen.

Klar ist ja, das meine jüngste Tochter etwas kränkelt und wir keinen cm Platz zwischen uns lassen. Ok, dann sieht es hier halt aus wie bei Hempels unterm Sofa.

Ist ja Familie, ganz ehrlich? Es nervt mich trotzdem. Ja ich hab mich schon länger von der schöner Wohnen Ansicht verabschiedet und trotzdem schleichen sich die Gedanken immer wieder ein:

 

Schöner Wohnen oder Chaos pur?

Es muss doch ordentlich sein, was sollen die denken. Ich schaff das nicht. Hab den Haushalt nicht im Griff, andere kriegen das doch auch locker hin usw… 

Dann werde ich unruhig und merke das meine Stimmung gleich kippt. Zudem bin ich weder geduscht, noch weiß ich was ich anziehen soll.

 

Atmen, atmen und nochmal atmen!

Entweder ich bekomme die Kurve, Atme tief durch und nehme die Situation an oder es gelingt mir nicht und ich Motze volle Lotte rum.

Ich mache mir die Situation bewusst, die Menschen die da gleich kommen, bewerten mich nicht und schon gar nicht wie penibel sauber unser Haus ist oder wie viel Spielzeug hier rumliegt. 

Ach ja, habe ich erwähnt das ich Kuchen hab kaufen lassen. Auch dieses muss ich annehmen können, ja ich hab nicht selber gebacken aber dafür bin ich entspannt und konnte meiner kleine Tochter viel Trost spenden und kuscheln.

Soweit so gut, ich konnte mich kurz frisch machen und anziehen, während der Papa und meine große den Tisch gedeckt und die Küche begehbar gemacht haben.

Dann kann es ja los gehen und wir warten relativ entspannt auf unsere Familie. 

Noch kurz zur Erklärung: ich bin ein Scheidungskind. Meine Mutter hat wieder geheiratet und drei weitere Kinder mit diesem Mann bekommen. Also bin ich um drei Halbgeschwister bereichere worden. Wir haben ganz ehrlich keine allzu gute Kindheit gabt und zu meinen Brüder habe ich bis heute kaum bis gar keinen Kontakt. Meine Schwester und ich hatten immer eine starke Verbindung und sind immer beinander . Einer meiner Brüder hat früh ein Kind bekommen, er und seine damalige Freundin Karin* sind nicht mehr Zusammen und leider möchte er keinen Kontakt zu seinem Sohn. Auch ich habe Karin*  aus den Augen verloren, meine Schwester hat allerdings all die Zeit immer wieder Kontakt gehalten. Und so kam es das wir uns vor einiger Zeit wieder getroffen haben und beschlossen das jetzt regelmäßig zu tun. Mittlerweile hat sie ein zweites Kind bekommen mit ihrem neuen Lebenspartner. Sie sind eine tolle Patchwork-Familie geworden. 

Soweit über unseren Familienstand.

Langsam trafen alle ein und es wurde eine gemütliche Runde. Ich musste nicht viel machen, denn ich kuscheltet die ganze Zeit mit meiner kleinen Tochter.

Frisch gebackener Kuchen wurde auch noch mit gebracht und zack saßen alle fröhlich am Tisch. Die Stimmung war gut, Kuchen und Torte wurden verteilt. Und das Chaos nahm seinen lauf. Zuerst landetet die Torte nicht auf dem Teller sondern quer über Tisch und Stühle. Ein besorgter Blick seitens meines Mannes, meiner Schwester und dessen Frau trafen mich. 

Denn noch vor einiger Zeit wäre das schon Grund für mich gewesen genervt und zickig zu sein. Heute war es einfach so herrlich lustig und alle anderen amüsierten sich ebenfalls gut. 

Die restlichen Stücke wurden ohne Unglück verteilt und Kaffee wurde ausgeschenkt. Jetzt besitzen wir aber keine übliche Kaffeemaschine mehr sondern eine French press. Freudig wurde der Deckel runter gedrückt, allerdings mit so viel Druck das es platschte und der halbe Inhalt mit Kaffeesatz über die Tischdecke, Teller und Tassen spritze.

Noch besorgtere Blicke als vorhin schon trafen mich… und ja einen kurzen Moment brauchte ich um zu schauen was passiert war. 

Klasse, tatsächlich kam ich aus dem lachen nicht mehr raus und Erwachsene wurden zu Kindern und alle zusammen hatten einen Riesen Spaß. Unglaublich wie glücklich losmachen macht. Genau solche Situationen zeigen mir, das meine Familie und ich auf dem richtigen Weg sind. Gleichwürdig und Wertschätzend. 

Das Glück der kleinen Dinge

 

Ganz ehrlich, so ein wunderbar unperfektes Familienfest habe ich noch nie erlebt und es war das schönste bisher. So viel Liebe und lautes Lachen. Jeder war so unbeschwert und frei… Hach ich komme jetzt noch ins schwärmen. 

 

Am Abend waren wir erschöpft und erfreut zugeleich. Es erreichte mich noch eine Nachricht von Karin. In dieser bedankte sich ihr Freund bei uns allen für die liebevolle Aufnahme seiner Tochter. Pia* war das erste mal mit bei uns, denn sie ist nur jedes zweite Wochenende bei ihrem Papa und Karin. Sie hat sich sichtlich wohl gefühlt und wollte gar nicht mehr weg. Pia* leidet unter schweren Krampfanfällen und ist daher Entwicklungsverzögert, sie braucht viel Unterstützung. Ein wunderbares Mädchen. 

Das er sich dafür bedankt brach mir ein bisschen das Herz, denn eigentlich sollte es doch selbstverständlich sein. Für uns zumindest ist es das, denn Familie hat nichts mit den selben Genen zu tun. Familie ist das was wir daraus machen. Wunderbare Menschen, die Miteinander leben, sich kennen lernen und versuchen das bestmögliche aus der Situation zu machen. Das ist gewiss nicht immer einfach. Das weiß ich aus eigener, zum teil schmerzhafter Erfahrung, allerdings ist es möglich. 

Ich weiß nicht mehr wann ich zum ersten mal über den Begriff Bonusfamilie gestolpert bin aber ich habe es gleich übernommen und ersetze alle Wörter mit Stief nun mit Bonus. Hört sich das nicht toll an, viel viel wertschätzender und ganz leicht umzusetzen. 

 

Also auch wenn es so oft unfassbar schwer ist am Anfang, es lohnt sich immer für Menschen einzustehen und ihnen eine neue Chance auf eine Familie zugeben. Denn, Familie ist das was ihr daraus macht. 

Hier kommst du zu meinem ersten Bloggartikel, viel Spaß beim lesen.

 

Liebe Grüße Anja

*Namen sind frei erfunden.

 

Unerzogen, AP und CO.

Unerzogen, AP und CO.

 

Es gibt so viele Namen und Bezeichnungen dafür, das hat mich am Anfang ganz schön verwirrt. Letztendlich ist es auch völlig egal wie wir es bezeichnen, denn es kommt einfach auf eine friedvolle und Gleichwürde Beziehung zu unseren Kindern an. Ich erzähle euch mal meinen Anfang, ganz ehrlich und ungeschönt:

Eigentlich war ich gerade im Internet auf der Suche nach der Frage, wie ich denn meine älteste Tochter, damals knapp drei Jahre alt, dazu bringen könnte sich Anzuziehen. Vor allem doch bitte eine Unterhose zu tragen.

Ich war schier am Verzweifeln und all meine bisherigen Maßnahmen brachten nichts, außer noch mehr Frust und Tränen. Für mich stellte sich zuerst gar nicht die Frage, was meine Tochter möchte, sondern meine alten Glaubenssätze bestimmten mich. Denn Erziehung ist das A und O, schließlich macht das jeder so und meine Kindheit war geprägt von guter oder eben schlechter Erziehung.

Unerzogen– wie soll das denn gehen?

Also las ich in mehreren Foren, wo es rund um Kindererziehung ging. Die üblichen Tipps wie, nackt oder im Schlafanzug in die Kita bringen, Verbote und Erpressungen. All das habe ich versucht, leider, heute tut es mir wahnsinnig Leid. Ich wusste es nicht besser und ich versuche mir zu vergeben, was nicht so leicht ist, wie es sich hier liest. So nun las ich das also alles  und nichts brachte mich weiter, bis ein Beitrag mit dem Thema Unerzogen in meiner Google Suche erschien. Aha, na was soll denn der Mist, dachte ich mir und fing an in diesem Blog zu stöbern.

Ich war erstaunt und total fasziniert von dieser Sicht der Dinge, aber fühlte mich so weit entfernt davon. Einige Tage sollten vergehen und ruhen aber ich fand keine, ganz im Gegenteil. Ich war so aufgewühlt und neugierig, dass ich immer mehr zu diesem Thema gelesen habe und anfing diverse soziale Plattformen abzusuchen.

Ich hatte das Gefühl, ich habe genau den richtigen Weg für uns gefunden. Na prima, dann wird ja ab jetzt alles super toll. Ich schreie mein Kind nicht mehr an, sondern äh ja was dann?

So da war es, das riesen Tief, meine Erwartungen und Bilder in meinem Kopf über friedliche, harmonische Bilderbuch Familien war jetzt in meinem Kopf und das wollte ich jetzt sofort, genauso haben. Ging aber nicht, denn was statt schreien zum Beispiel soll ich denn jetzt machen. Ja klar, erklären und bitten. Dann kann sie aber Nein sagen und tat dies natürlich auch. Ja und jetzt? Soll sie jetzt doch nackt gehen, das will sie ja aber auch nicht.

Ich war total verwirrt und hatte mich verrant. In die fixe Idee von einem Tag auf den anderen alles besser und anders zu machen. Nicht möglich, zumindest für mich nicht. Es führte dazu das ich arg enttäuscht von mir selber war und immens hoher Druck und Erwartungen, auf mir lagen.

Ich bin so wütend-warum?

Es wurde auch erst nicht viel besser, im Gegenteil. Ich wusste ja jetzt um all die Probleme und wie ich es unbedingt haben wollte und es bei anderen läuft. Irgendwann kam zu dem Frust noch eine ordentliche Portion Wut hinzu, auf mich, meine Tochter und überhaupt auf alle. Alte Glaubenssätze aus meiner Kindheit kamen ungewollt zum Vorschein. Ich musste also bei mir ansetzten, mich auf die Suche nach mir machen und mein Inneres Kind trösten und versorgen. Erst dann, ist es möglich die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Kein leichter Weg und er wird nie zu Ende sein.

Jetzt sind mittlerweile fast drei Jahre vergangen und wir sind immer noch am Anfang. Das ist kein Konzept was man mal eben so anwenden kann. Es ist eine Haltung die man einnimmt, langsam, Stück für Stück. Innerer Frieden mit sich selber, Vergebung, Selbstliebe, Verantwortung übernehmen, all das braucht Zeit, viel Zeit aber es lohnt sich so sehr. Meine Kinder sollen es als ganz normal empfinden, zu sich selbst und seinen Werten zu stehen und diese nicht von anderen zu übernhemen, sondern eigene entwickeln zu können. Sie sollen Selbstliebe und Selbstwirksamkeit erfahren um möglichst Frei sein und raus in die Welt springen, ich bin immer ihr sicherer Hafen, zu dem sie jeder Zeit zurückkehren können.

Mir persönlich habe einige Bücher und Blogs sehr geholfen, gerade wenn es mal überhaupt nicht gelingen wollte den Blick zu focusieren. Ich verlinke sie euch hier drunter. Vielleicht findet auch ihr auch den ein oder anderen Ansatz und könnt was mit nehmen.

Grüße Anja

 

 

Die Weggefährt*innen ganz viel inputt von der lieben Ruth, schaut auch unbedingt auf ihrem Instagram und Facebook Profil vorbei.

Die Piepmadame, ich liebe ihre Sicht der Dinge. Immer Ehrlich auch wenn es manchmal weh tut.

Jesper Juul, mein Einstieg in dieses Thema

Nora Imlau, unglaublich tolle Worte

Nicola Schmidt, ebenso wunderbar geschrieben

und natürlich die wunderbaren Einfach-Eltern ,die nun endlich auch ihr erstes Buch geschrieben haben!

Ah, und nicht zu vergessen sind natürlich Herbert Renz-Polster

und das Portal BO, für Bindungsorientierten Austausch mit Playdates und Webwaren.